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Von wegen Meisterdiebe

Bert war siebzehn und hielt sich für jemanden, der richtig gute Pläne schmieden konnte.

Leider sah die Realität anders aus.

Mit zwölf hatte er versucht, einen Drachen selbst zu bauen. Der Drache flog ganze drei Sekunden, bevor er auf dem Auto seines Mathelehrers landete.

Mit vierzehn wollte er sich etwas Taschengeld verdienen und bot an, Rasen zu mähen. Beim ersten Kunden fuhr er mit dem Rasenmäher aus Versehen über den Gartenschlauch und setzte den Garten unter Wasser.

Vor zwei Wochen hatte Bert bei einer Wette behauptet, er könne innerhalb eines Monats fünfhundert Euro besorgen. Seine Freunde hatten ihn ausgelacht.
„Und wenn nicht?“, hatte einer gefragt.
Bert grinste. „Dann zahle ich euch 500 Euro aus meiner eigenen Tasche.“
Damals hatte das nach einer genialen Idee geklungen.

Jetzt saß er auf einer kalten Parkbank, starrte in sein Portemonnaie und zählte zum dritten Mal nach. Zwölf Euro und achtundvierzig Cent. Er seufzte: „Das reicht nicht mal für die Hälfte.“ Neben ihm landete eine Taube und sah ihn an.
„Schau mich nicht so an“, murmelte Bert. „Du hast bestimmt auch keine fünfhundert Euro.“
Die Taube flatterte davon.
Bert fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht.
Es gab nur noch eine Möglichkeit. Eine richtig dumme.
„Nur dieses eine Mal“, sagte er leise zu sich selbst.

Drei Tage später stand er vor einem kleinen gelben Haus am Ende der Lindenstraße. Es war keine riesige Villa mit Tor und Überwachungskameras, sondern ein ganz normales Haus: zwei Stockwerke, ein kleiner Garten und eine alte Schaukel, die sich im Wind langsam hin und her bewegte.
Gerade deshalb hatte Bert es ausgesucht. In einer großen Villa hätte er mit Alarmanlagen gerechnet. Außerdem hoffte er, dass ältere Menschen oft Schmuck oder Erbstücke zu Hause aufbewahrten. Ob das wirklich stimmte, wusste er nicht. Aber irgendwo musste er anfangen.
Er setzte sich auf die Bushaltestelle gegenüber, und klappte sein Notizbuch auf.

Tag 1

09:31 Ältere Dame verlässt das Haus.
10:07 Uhr Briefträger.
11:32 Uhr Dieselbe Dame kommt mit zwei Einkaufstaschen zurück.
(Und so weiter.)

„Du spionierst ganz schön auffällig.“
Bert zuckte zusammen. Neben der Bushaltestelle stand ein kleiner Junge mit einem Eis in der Hand.
„Wie bitte?“, fragte Bert.
„Du sitzt hier jeden Tag“, sagte der Junge.
„Ich … äh … warte auf den Bus“, stammelte Bert.
Der Junge zeigte auf den Fahrplan.
„Hier fährt schon lange keiner mehr“, erklärte er.
Bert warf einen Blick darauf. Der Junge hatte recht. „Ich … mag Haltestellen“, murmelte Bert.
Der Junge nickte langsam. „Du bist komisch“, sagte er.
Bert kratzte sich nur verlegen am Hinterkopf.
Der Junge ging weiter.
Bert beschloss, sich am nächsten Tag einen besseren Platz zum Beobachten zu suchen.

Am fünften Abend war er sich sicher.
Heute wirkte das Haus ruhiger als sonst. Zum ersten Mal gingen schon vor Mitternacht alle Lichter aus. Wenn es einen passenden Zeitpunkt gab, dann jetzt.
Er eilte nach Hause, zog schwarze Kleidung an, streifte Handschuhe über und setzte eine schwarze Mütze auf.
Vor dem Spiegel blieb er kurz stehen.
„Du siehst aus wie ein Müllsack mit Beinen“, murmelte er. Nicht besonders furchteinflößend.

Kurz vor Mitternacht schlich er durch den Garten. Die alte Schaukel quietschte leise. Ein Küchenfenster stand einen Spalt offen. „Zu einfach“, dachte Bert. Er blieb stehen. Warum ließ jemand mitten in der Nacht das Fenster offen?

Er lauschte. Kein Fernseher, kein Hund, keine Stimmen. Nur Stille.

Vorsichtig drückte er das Fenster weiter auf und kletterte hinein. Seine Schuhe berührten lautlos den Küchenboden.
Es war so still, dass man das Ticken einer Uhr hören konnte.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Geschafft“, flüsterte Bert. Doch dann bemerkte er einen süßen Duft. Vanille und Zimt. Verwirrt schaute er zum Herd. Auf einem Backblech lagen sechs goldbraune Kekse. Neugierig berührte er einen davon. Warm. Nicht heiß. Aber eindeutig frisch gebacken. Bert runzelte die Stirn.
Vor höchstens zehn Minuten musste hier noch jemand in der Küche gewesen sein. Sein Blick wanderte weiter.
Auf dem Tisch stand eine Tasse Tee. Sie war halb voll, und es stieg noch Dampf auf.
Sein Herz begann schneller zu schlagen.

Genau in diesem Moment hörte er ein leises Knarren. Nicht aus der Küche. Aus dem Flur. Ein Schritt. Dann noch einer. Langsam. Vorsichtig. Als würde sich jemand anschleichen.

Bert schaltete sofort seine Taschenlampe aus und duckte sich hinter die Kücheninsel.

Die Schritte kamen näher. Er wagte kaum zu atmen. Dann glitt eine dunkle Gestalt am Türrahmen vorbei.
Schwarze Kleidung. Schwarze Handschuhe. Schwarze Mütze. Bert blinzelte. „Das gibt’s doch nicht“, dachte er. Er war nicht der Einzige, der heute Nacht in dieses Haus eingebrochen war. Die Gestalt schlich weiter. Leise. Vorsichtig. Plötzlich blieb sie stehen. Bert erstarrte. Hatte sie ihn gehört?

Langsam drehte sich der Mann um. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. Beide rissen erschrocken die Augen auf.
„Wer bist du?“, flüsterte Bert.
Der Mann antwortete nicht.
Stattdessen legte er einen Finger auf die Lippen. „Pssst!“

Noch bevor einer von ihnen noch etwas sagen konnte, sprang plötzlich eine dicke, getigerte Katze auf die Fensterbank. „Miau.“ Der Mann zuckte so heftig zusammen, dass er gegen einen Schirmständer stieß. Klirr. Ein Regenschirm fiel um. Dann noch einer.
„Mist!“, flüsterte der Mann.
Im selben Moment lief eine Katze über die Füße des Mannes. Er presste sich beide Hände vors Gesicht. „Nein“, mumelte er. „Bitte nicht.“ Seine Augen wurden rot. „Nicht jetzt.“
Er hielt die Luft an. Bert beobachtete ihn verwundert. Der junge Mann kämpfte verzweifelt gegen einen Nieser an.
Sein ganzer Körper begann zu zittern.
„Alles okay?“, flüsterte Bert.
Der Mann schüttelte den Kopf. „Katzen …“, sagte er und schniefte. „Allergie.“
Bert starrte ihn an.
„Du willst in ein Haus einbrechen, obwohl hier offenbar mehrere Katzen wohnen, und du allergisch bist?“, fragte Bert.
Der Mann zuckte mit den Schultern. „Ich wusste das vorher nicht“, antwortete er.

In diesem Moment kam eine zweite Katze aus dem Wohnzimmer. Dann eine dritte. Eine schwarze Katze sprang elegant auf die Kommode und schnurrte zufrieden. Der Mann wurde kreidebleich.
„Oh nein“, flüsterte er.
Bert sah, wie der Mann verzweifelt versuchte, wieder einen Nieser zu unterdrücken. Drei Sekunden. Vier. Fünf. Dann verlor er den Kampf.
„Haaaaaatschi!“

Das Niesen hallte durch das ganze Haus. Einen Augenblick lang war alles still. Dann hörte man oben eine Tür. Langsame Schritte.
Der Mann flüsterte erschrocken: „Verstecken!“
„Wo denn?“, flüsterrte Bert.
„Keine Ahnung! Such dir was!“, zischte der Mann.
Bert riss die Kühlschranktür auf. „Hier?“, fragte er.
Der Mann starrte ihn entsetzt an. „Bist du verrückt?“, flüsterte er.
„Ich bin nervös!“, verteidigte sich Bert.
Der Fremde schritt hinter das Sofa. Dabei blieb seine Hose an einem Blumentopf hängen. Der Blumentopf landete auf dem Teppich, und die Erde verteilte sich auf den ganzen Boden.
„Na super“, murmelte Bert.

Die Schritte kamen näher. Das Licht im Flur ging an. Eine ältere Dame erschien im Türrahmen. Schlafanzug, Hausschuhe mit kleinen Schafen darauf. In der einen Hand hielt sie eine Taschenlampe, in der anderen eine Brille.
Sie leuchtete einmal durch die Küche.
Erst auf Bert.
Dann auf den anderen Einbrecher.
Dann auf die Katzen.

Sie blieb einen Moment stehen und musterte die beiden.
Der eine stand halb im Kühlschrank und bekam die Tür nicht zu, und der andere kämpfte mit tränend-roten Augen gegen seine Katzenallergie. Gefährlich wirkten die beiden wirklich nicht. Die Frau seufzte: „Na wunderbar.“

Bert wartete auf einen Schrei. Auf den Anruf bei der Polizei. Auf irgendetwas. Doch stattdessen sagte die Frau nur: „Wenn ihr schon einbricht, könntet ihr wenigstens die Regenschirme wieder hinstellen.“
Bert und der andere Einbrecher sahen sich verblüfft an.
„Wie bitte?“, fragte Bert.
„Der Schirmständer. Ihr habt ihn umgeworfen“, erklärte die Frau. Sie stellte ihre Taschenlampe auf den Tisch.
„Und wenn ihr schon mal hier seid …“ Sie zeigte auf den Flur. „… könntet ihr mir helfen, die Kommode zu verschieben? Alleine schaffe ich das nicht.“
„Sie… haben keine Angst vor uns?“, fragte Bert.
Die Frau musterte die beiden erneut. „Vor euch?“, Sie schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Ich habe schon gefährlichere Einbrecher erlebt.“ Sie lächelte. „Glaubt mir, ich erkenne den Unterschied zwischen zwei verzweifelten Jungen und echten Verbrechern.“
„Außerdem“, fügte sie hinzu, „versteckt sich der eine im Kühlschrank, während der andere gegen eine Katzenallergie kämpft.“
Der Mann schniefte: „Ich bin allergisch.“
„Das habe ich bemerkt“, sagte die Frau trocken.
„Wir… sollen also bleiben?“, fragte Bert.
„Natürlich. Ihr seid die schlechtesten Einbrecher, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe“, antwortete die Frau.
„Wie viele hatten Sie denn schon?“, fragte Bert.
„Genug.“ Sie lächelte.

„Ich war fünfunddreißig Jahre Kriminalkommissarin.“
Bert verschluckte sich am Kakao. „Was?!“, rief er.
„Ich habe euch übrigens schon vor dem Einbruch bemerkt.“ Sie sah Bert mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Du bist fünf Tage lang an derselben Bushaltestelle gesessen. Glaubst du wirklich, das wäre unauffällig?“
Bert wurde rot. „Ich dachte, das wäre ein guter Beobachtungsposten.“
„An einer Haltestelle, an der seit zwei Jahren kein Bus mehr fährt?“, fragte die Frau grinsend.

Der andere Einbrecher musste trotz seiner Allergie lachen und schniefte dabei laut. „Das ist dir nicht aufgefallen?“, fragte er.
Bert schüttelte den Kopf. „Und dir ist nicht aufgefallen, dass hier überall Katzen herumlaufen?“
„Nein“, gab der Mann zu. „Ich habe das Haus gar nicht beobachtet. Ich dachte nur, bei einer älteren Dame gäbe es vielleicht etwas Wertvolles zu holen.“
„Tja“, sagte die Frau. „Statt Schmuck habt ihr sieben Katzen gefunden.“
Sie hob die Hand. „Ruhe, Meisterdiebe.“ Beide verstummten. „Jetzt stellt euch erst einmal vor.“
„Ich heiße Bert“, sagte Bert.
„Karl Heinz“, sagte der andere. „Aber alle nennen mich Karl.“
„Gut“, sagte die Frau. „Und jetzt erzählt ihr mir, warum zwei so tollpatschige Menschen nachts in fremde Häuser klettern.“

Bert erzählte von der Wette und davon, dass er verzweifelt versucht hatte, an fünfhundert Euro zu kommen.
Karl seufzte: „Bei mir war es etwas anderes. Ich suche seit Monaten einen Job. Irgendwann dachte ich, ein Einbruch wäre leichter als noch eine sinnlose Bewerbung.“
Die Frau hörte schweigend zu. Dann stand sie auf.
„Ich habe einen Vorschlag.“ Sie zeigte aus dem Fenster. Der Garten war überwuchert. Die Hecke wuchs bis über den Zaun. Die Farbe des Schuppens blätterte ab. „Ihr arbeitet für mich.“
„Und dafür?“, fragte Bert.
„…bezahle ich euch ehrlich“, sagte die Frau.
Bert blinzelte.
„Sie rufen wirklich nicht die Polizei?“
„Nein. Ich habe Wichtigeres zu tun“, grinste sie.

Zwei Wochen später standen Bert und Karl Heinz immer noch im Garten. Bert mähte den Rasen. Der andere strich den Schuppen. Sieben Katzen saßen auf der Terrasse und beobachteten jede Bewegung. Die alte Dame stellte eine Kanne Limonade auf den Tisch, dazu stellte sie einen Teller mit selbst gebackenen Vanille-Zimt Keksen auf den Tisch.
„Na, ihr Meisterdiebe?“, fragte die Frau.
Bert grinste: „Heute klauen wir höchstens noch Unkraut.“
„Sehr gut“, sagte die Frau. „Das wächst nämlich schneller nach als eure kriminelle Energie.“

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  • Foxy hat viele Tiere und kümmert sich sehr liebevoll um sie. Auch mit den Pflanzen kennt sie sich bestens aus und konnte sogar Avocado aus den Samen züchten. Foxy ist sehr vielseitig: naturfreundlich, sportlich, musikalisch, kreativ.

    In der Redaktion übernimmt sie die Schriftführung und sorgt dafür, dass alle Redaktionsmitglieder immer auf den letzten Stand sind. In ihren Beiträgen berichtet sie oft von ihren Tieren, teilt ihre Rezepte oder erzählt Geschichten.

    Besondere Fähigkeit: Alle mit ihrer Begeisterung anstecken.

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