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Übersehen

Ich stehe schon länger hier, als die meisten Lebewesen sich erinnern können.

Jeden Morgen öffne ich meine Arme dem Licht entgegen. Ich spüre die Wärme der Sonne auf meinen Blättern und nehme etwas Unsichtbares auf, das mir Kraft gibt. Etwas, ohne das viele andere Wesen nicht leben könnten.

Doch manchmal frage ich mich:

„Warum gibt es mich überhaupt?“

Bin ich nur hier, um größer zu werden? Um älter zu werden? Um irgendwann zu fallen? Oder gibt es einen tieferen Grund?

Die Menschen gehen an mir vorbei und sehen oft nur Holz, Blätter und einen Schattenplatz an einem heißen Tag. Sie wissen nicht, wie viele Geschichten ich in mir trage.

Ich habe Kinder gesehen, die unter meinen Ästen gespielt haben. Ich habe Tiere beschützt, die in meiner Nähe ein Zuhause gefunden haben. Ich habe Regen aufgenommen und Wasser weitergegeben.

Aber meine wichtigste Aufgabe ist etwas, das niemand sehen kann.

Ich nehme etwas aus der Luft auf, das andere Lebewesen nicht brauchen können, und gebe dafür etwas zurück, das jedes Lebewesen zum Atmen braucht.

Vielleicht ist das mein Sinn.

Nicht nur für mich selbst zu leben.

Tief unter mir verlaufen Wege, die mich mit anderen verbinden. Durch diese Fäden tauschen wir Nachrichten aus.

Wir fragen:

„Geht es dir gut?“
„Brauchst du Hilfe?“
„Wie wird das Wetter morgen?“

Wir können nicht weglaufen, wenn es schwierig wird. Wir können nicht einfach an einen anderen Ort gehen. Also lernen wir, miteinander zu leben.

Eines Tages fragte mich ein junger Baum neben mir:

„Warum bleiben wir eigentlich immer hier? Warum können wir nicht reisen wie die Menschen?“

Ich dachte lange darüber nach.

Dann antwortete ich:

„Vielleicht reisen wir anders. Wir reisen durch die Luft, die wir verändern. Durch die Tiere, die bei uns leben. Durch die Samen, die weit weg getragen werden. Durch die Erinnerungen, die wir hinterlassen.“

Der kleine Baum schwieg.

Vielleicht hatte er verstanden.

Denn jedes Lebewesen hinterlässt etwas.

Manche hinterlassen Worte.

Manche hinterlassen Erfindungen.

Und manche hinterlassen Sauerstoff, Schatten und neues Leben.

Wenn die Menschen mich ansehen, frage ich mich manchmal:

„Sehen sie wirklich, was ich bin?“

Bin ich nur ein Baum?

Oder bin ich ein Teil von etwas Größerem?

Vielleicht bin ich eine Erinnerung daran, dass alles miteinander verbunden ist.

Vielleicht gibt es mich nicht nur, damit ich lebe.

Vielleicht gibt es mich, damit andere leben können.

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Autor

  • Foxy hat viele Tiere und kümmert sich sehr liebevoll um sie. Auch mit den Pflanzen kennt sie sich bestens aus und konnte sogar Avocado aus den Samen züchten. Foxy ist sehr vielseitig: naturfreundlich, sportlich, musikalisch, kreativ.

    In der Redaktion übernimmt sie die Schriftführung und sorgt dafür, dass alle Redaktionsmitglieder immer auf den letzten Stand sind. In ihren Beiträgen berichtet sie oft von ihren Tieren, teilt ihre Rezepte oder erzählt Geschichten.

    Besondere Fähigkeit: Alle mit ihrer Begeisterung anstecken.

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