|

Schaue nicht zurück in Zorn

Diese Geschichte gehört zur Kategorie Jugendliteratur.

Ich bin bereit! Für alles! Ich werde ihr heute meine Gefühle, die ich für sie habe und seit einer langen Zeit vor ihr verheimliche, gestehen. Sie ist die Frau meines Lebens! Ich habe noch nie so eine einzigartige Persönlichkeit wie sie getroffen. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Dies muss einer der schönsten Momente meines Lebens sein.

Ich war bei einer Feier von meinem Freund Cornelius! Dieser hat mich zu seiner Feier eigentlich überredet, weil er meinte, ich sollte auch mal ein Mädchen kennenlernen. Denn ständig in meiner Kunst und meinem Ehrgeiz zu verstecken ist ja auch keine Lösung.
Bei dieser Feier war ich sehr zurückhaltend. Das Gefühl, von so vielen Menschen umgeben zu sein, war mir nicht geheuer, und wie immer, wenn ich überfordert bin, flüchtete ich in die Welt der Kunst.
Als ich dann aus dieser wilden Atmosphäre mich aus dem Staub gemacht hatte, um runterzukommen, atmete ich erleichtert tief ein. Ich zündete mir eine Kippe an, um meine Nerven zu beruhigen. Nachdem ich meine Zigarette halb fertig geraucht hatte, nahm ich meinen Zeichenblock aus meiner Tasche, die ich ständig mit mir trage, und ein gewöhnliches Stück Kohle und zeichnete eine Zeichnung namens „Die Kontrolleurin“. Damals wusste ich selber nicht, was ich damit darstellen wollte oder wieso ich sowas zeichnen sollte? Aber in ferner Zukunft hat diese Zeichnung eine Art Prophezeiung entfacht.

Zeichnung „Die Kontrolleurin“

Nach der Fertigstellung dieser Zeichnung hörte ich von hinten eine weibliche Stimme, die sagte: „Entschuldige, dass ich störe, aber bist du Künstler?“
Erschrocken und empört über die Tatsache, dass jemand mich die ganze Zeit beobachtet hatte, während ich zeichnete, sagte ich nur: „Gewiss! Ich bin Künstler.“
Mit einem freundlichen Lächeln setzte sie sich neben mich hin und verriet mir ihren Namen. Sie hieß Joséphine Merité. Als ich diesen Namen hörte, fragte ich sie, ob sie Französin war, worauf sie Ja sagte. In diesem Moment sagte ich: „Eh bien! Pourquoi on ne s’entretiens pas en francais mademoiselle!“ Als sie hörte, dass ich fließend Französisch sprach, sah man an ihr, dass sie aufblühte, und das war, glaube ich, der Moment, wo wir uns gefunden haben.

Die Stunden vergingen dann wie im Flug! Wir unterhielten uns auf Französisch und tauschten Telefonnummern aus, um unsere Rendez-vous nehmen zu können, wie man es so auf Französisch sagt. Am Ende der Feier, als ich sie gehen sah, sagte mein Freund Cornelius: „Da hast du dir ein hübsches Mädel geholt! Mal schauen, wie weit es mit euch geht!“

Über die Wochen und Monate kamen ich und Joséphine uns immer näher. Besonders die Tatsache, dass ich Französisch sprach, schweißte uns zusammen, was ich anfangs glaubte. An demjenigen Tag, an dem ich bereit war, ihr meine Gefühle zu gestehen, wollte ich sie zu mir einladen! Ich erinnere mich genau daran, dass ich alles gegeben habe! Ich backte ihr Lieblingsbrot und ließ sogar über meinen Freund Cornelius Wein aus Bordeaux beschaffen. Nachdem ich sie angeschrieben hatte, sagte sie distanziert und kalt dieses Treffen ab und sagte, dass sie mir Lebewohl wünscht, da sie wieder nach Frankreich zurückkehrt. Ohne schlechtes Gewissen! In diesem Moment spürte ich einen Stich in meinem Herzen, als hätte jemand einen Dolch in mein verletzliches Herz gestochen. Für was war das alles?! Für Nichts!! Wie konnte sie mich einfach so verlassen und so mit meinen Gefühlen spielen? In Zorn verwüstete ich meine eigene Bude, bis ich in Ohnmacht fiel und mein Bewusstsein verlor.

2 Wochen vergingen seit der zermürbenden Nachricht! Ich kann schwören, dass ich innerlich zerbrochen war! Ich habe mich um nichts gekümmert! Weder um mein Leben noch um mich selber! In diesem Moment der Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit klingelte es an der Tür! Wie ein Halbtoter ging ich zur Tür und öffnete sie und mit großer Überraschung war es mein Freund Cornelius!
Als Cornelius mich sah, erschrak er sich und sagte nur: „Was ist mit dir passiert?“
In meinem schlechten Zustand konnte ich nur sagen: „Sie hat mich verlassen – ohne Reue und Bedenken! Wie ein Narr habe ich mich in sie verliebt, und sie hat mein Leben im Negativen auf den Kopf gestellt!“
Daraufhin sagte mein Freund: „Ah Scheiße! Mann, das tut mir leid! Keine Sorge, wir kriegen das gemeinsam schon hin!“

Nachdem ich ihm alles erzählt hatte, was passiert war, sagte er nur: „Mein Lieber! Da bist du in die Hände einer Frau geraten, die eine sogenannte Puppenspielerin ist. Das bedeutet, dass sie deine echte Nahbarkeit und positive Energie nutzt und sich wie ein Parasit emotional an dich heranmacht, um sich stärker zu fühlen! Ich weiß, wovon ich rede! Ich bin auch mal in diese Falle getappt, bei solchen Frauen! Aber weißt du, was die wichtigste Denkweise ist in diesem Fall! Schaue nicht zurück auf sie im Zorn, sondern lieber nach vorne!“

Als ich diese Worte hörte, war ich vor Faszination erstarrt! Ich hätte mir nie vorstellen können, dass Cornelius solche weisen Wörter ausdrücken konnte, weil ich normalerweise derjenige bin, der rhetorisch mehr heraussticht als er. Nach diesen Worten musste ich zugleich an die Zeichnung denken, die ich gezeichnet hatte an dem Tag, an dem ich sie getroffen hatte! Als ich diese Zeichnung betrachtete, sah ich, dass es Joséphine Merité war! Eine Kontrollleurin meiner Gefühle!

Es sind jetzt einige Monate vergangen! Ich habe sie komplett aus meinem Leben verbannt! Die Zerissenheit und Dunkelheit sind verblasst und die Helligkeit des Lebens triumphiert in meinem Leben wieder. Ob Joséphine jemals Gefühle für mich hatte, wird sich nie auflösen, aber wieso ist das jetzt noch wichtig zu wissen? Weil wissen Sie, lieber Leser, es ist wichtig, sein Glück nicht von einer Person entnehmen zu lassen! Denn das, was passiert ist, ist Geschichte. Morgen wird es ein Mysterium sein und heute ist ein Geschenk der Zeit, in der wir Gutes oder Schlechtes oder gar nichts machen können!

Was Sie aus Ihrer Zeit machen, liegt in Ihren Händen.

Möchtest du mehr Geschichten lesen?
Gerne! Schau, hier haben wir einige Geschichten und auch Nacherzählungen für dich.

Autor

  • Wilhelm ist sehr fleißig, ehrgeizig und streng. Er kann gut philosophieren und redet gerne mit Erwachsenen über Gott und die Welt.
    Als guter Handwerker kann er wunderbar schnitzen, Messer schleifen, Pfeile bauen und vieles mehr. Wilhelm interessiert sich für Survival-Themen, kann Bogen schießen und fischt gerne. Abgesehen davon interessiert er sich für Musik und ist ein toller Gitarrist.

    Wilhelm schreibt gerne handwerkliche Anleitungen und kann richtig gut geschichtstreue Geschichten schreiben. In der Redaktion ist er für Illustration verantwortlich und kümmert sich darum, dass alle Beiträge ein passendes Bild erhalten.

    Besondere Fähigkeit: Französisch sprechen

    Alle Beiträge ansehen Illustration & Stv.Korrektorat

Ähnliche Beiträge

  • |

    Carl Orff

    Carl Orff ist in München 1895 am 10. Juli geboren und starb am 29 März 1982. Er war ein berühmter Komponist und Musikpädagoge. Carl Orffs Kindheit Sein Vater war Pianist und so umgab die Musik Carl Orff schon seit er klein war. So lernte er das Instrument Klavier schon mit sechs Jahren, später auch Cello…

  • |

    Die Kampffische

    Die Kampffische stammen ursprünglich aus Südostasien wie z. B. Laos, Thailand, Vietnam, Malaysien und Kambodscha. Lebensraum der Kampffische Die Kampffische bevorzugen ein stilles Gewässer, wo das Wasser schmutzig ist oder ein Gewässer, wo es nur langsam fließt. Wie in Reisfelder, Gräben, Seen, Teiche und Bäche. Das Wasser ist oft warm, mit Temperaturen zwischen 24° und…

  • |

    Die dumme Uhr

    Punkt fünf Uhr morgens wache ich auf. Nicht, weil ich ausgeschlafen habe. Uhren schlafen schließlich nicht. Aber genau um fünf beginnt mein Arbeitstag. Mein Sekundenzeiger setzt sich in Bewegung. Tick. Tack. Tick. Noch ist der Bahnhof fast leer. Nur die Putzmaschine brummt über den Boden. Ein Hausmeister pfeift leise vor sich hin und wirft einen…

  • |

    Hasen und Kaninchen

    Hasen und Kaninchen kann man als Haustiere halten. Kaninchen sind Nagetiere. Hasen jedoch nicht. Denn Hasen sind Fluchttiere. Es gibt auch Hasen und Kaninchen die in freier Natur leben. Hasen essen am liebsten Löwenzahn, Spitzwegerich und weiteres Gemüse. Giftiges Giftig ist für Kaninchen Kartoffel, Zwiebel, Knoblauch. Autor Milli Milli ist nett, hilfsbereit und immer gutgelaunt….

  • |

    Verschlafen

    Ich stehe um 10 Uhr auf. Ich gehe ganz entspannt in das Erdgeschoss. Da sitzen Papa und Mama beim Frühstück. Sie haben Stress. „Wieso bist du so spät aufgestanden?“„Komm, wir müssen fahren!“, sagt meine Mutter.„Wohin?“ frage ich Mama und Papa.„Zur Hochzeit.“„Zur welcher?“ frage ich wieder.„Zu einer schönen.“ Wir fahren ins Rathaus. Dort gibt die Mutter…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert