Griechische Sage: Thanatos und Sisyphos
Thanatos ist der griechische Gott, der die Seelen in die Unterwelt bringt. In der Sage über den Sisyphos erfahren wir, dass, obwohl Thanatos ein Gott war, sein Leben nicht sorgenlos war. Wir erzählen euch diese griechische Sage mit Hilfe eines inneren Monologs von Thanatos nach. So könnt ihr euch in seine Gefühls- und Gedankenwelt reinspüren und ihn besser kennenlernen.
Sisyphos – Nacherzählung aus der Perspektive des Thanatos – von Jess
Ich fühle mich komisch, vielleicht etwas schwindelig und müde, ein Tick von schlechtem Gewissen schleicht sich in mein Gedankenkarusell, doch woher kommt er bloß?
Ich öffne langsam meine verklebten Augen und schaue um mich herum. Komisch, was mache ich in einem grau gepflasterten Kerker? Ich kann mich ja nicht daran erinnern, wer ich bin und wie ich heiße! Ich höre, wie ein leises Geräusch an meinen Ohren abgefangen wird: „Thanatos, der Tod, sitzt schon lange im Kerker!“ Ich schaue mich um. Keiner außer mir sitzt im Kerker, was bedeutet, dass nur ich „Thanatos, der Tod“ sein kann, ich konnte mich langsam erinnern.
Eines Tages saß ich an meinem Lieblingsplatz auf den Ufern der Styx, als ich die Laute und dröhnende Stimme des Hauptgottes Zeus hörte: „Thanatos, hole mir die Seele von dem listigen Sisyphos und falle nicht auf seine Tricks ein!“ „Ja, Zeus!“, hatte ich geantwortet und dann bin ich auch gleich in den Palast von Sisyphos in Korinth hingeeilt. Es war ein schöner sonniger Tag und ich grübelte, wieso Zeuses Stimme so erbost geklungen hatte. Er war sicher wütend auf Sisyphos, denn der war noch jung und könnte weiterleben. Als ich den Palast betrat und in einen schönen Saal gegangen war, sah ich Sisyphos an einem großen Tisch sitzen. Unsere Blicke trafen sich und ich sprach: „Es ist die die Zeit gekommen, Sisyphos ich hoffe du hast deinen heutign Tag auf der Welt!“ Sisyphos sah mich an und verkündete: „Wenn es schon mein letzter Tag war, dann wünsche ich mir, dass wir zusammen meinen besten Ouzo trinken!“ „Hast du denn keine Angst vor mir?“, fragte ich verwirrt. „Nein, natürlich nicht. Jeder muss mal kommen und dann gehen! Also, Prost!“ Dieser Schlingel, so ein gemeiner aber auch!
Ich erinnerte mich weiter.
Ich murmelte: „Was ist Ouzo?“ Zur Sicherheit hatte ich noch nicht aus dem dekorierten Glas mit der durchsichtigen Flüssigkeit getrunken. „Du kennst meinen berühmten Ouzo, Anisschnaps, nicht?“ „Nein!?“, ich nahm mein Glas in die Hand, spürte, wie es meine Lippen berührte, und nahm einen kleinen Schluck von dem Ouzo. Ich verzog mein Gesicht und langsam aber sicher formte sich ein Lächeln in meinem Gesicht. Ich muss zugeben, das Zeug war stark, aber echt mega. Ich trank ein Glas nach dem anderen und immer weiter, bis ich nicht mehr konnte. Ich fiel in einen tiefen betrunkenen Schlaf.
Jetzt bin ich hier, im grauen Kerker, gefesselt und geknäbelt in meinem schwarzen Umhang und ohne meine Sense. Und ich habe gelernt, dass man sich mit Alkohol nicht betrinken und nicht verscherzen soll.
Sisyphos – Innere Monolog des Thanatos – von Foxy
Ich wusste, dass es früher oder später so kommt.
Der Typ hat es doch echt übertrieben. Erst lacht er über die Götter, und dann meint er auch noch, dass er alle überlisten könnte. Und jetzt, wo Zeus wütend auf ihn ist, kann ich die ganze Arbeit wieder machen. Ja, ich kenne seinen Namen schon eine ganze Weile: „Sisyphos“, der mit dem zu großen Ego. Ich soll ihn holen. Kein Problem, erst große Klappe und dann Angst und Stille. Manche glauben, sie könnten sich irgendwie rausreden. Andere versuchen wegzurennen. Aber keiner entkommt mir, dem Tod! Ganz ehrlich, ich habe echt keine Lust auf solche Spielchen. Ich komme. Ich nehme und ich gehe. Fertig!
Da steht er. Ganz ruhig, kein Zittern. Er schaut mich an, als hätte er auf mich gewartet. Weiß er nicht, dass ich der Tod bin? Warum lächelt er mich so schief an? Und jetzt hält er eine Tonkaraffe in die Höhe. „Einen letzten Schluck Ouzo?“, fragte er mich lächelnd. Ich brauche so etwas nicht, ich bin der Tod. Und doch habe ich diesen Schnaps noch nie probiert. Ein Gläschen ist doch wohl nicht so schlimm. Das ist ja himmlisch! Becher nach Becher und es wird immer lustiger. Es dreht sich alles. Schließlich verdunkelt sich meine Sicht. Was ist passiert? Wie lange war ich nicht anwesend? Ich bin gefesselt, gefangen! Sisyphos hat mich ÜBERLISTET! Zeus wird sich sicherlich fragen, warum nach so vielen Jahren kein einziger Mensch mehr gestorben ist.
Aber selber Schuld, wenn er die Arbeit immer auf andere schiebt. Endlich, Ares ist da. Mein Retter und Zerstörer zugleich. Jetzt ändert sich alles. Sisyphos wird dafür bitter bezahlen. Meine Wut brennt wie Feuer. Ich werde ihm die Seele aus dem Leib reißen! Nun, diese Last, wie sie von mir fällt – endlich ist das auch erledigt. Was will Zeus schon wieder von mir? Er schreit mich ja so an. Was? Sisyphos lebt? Ich habe ihn doch vor Jahren in die Unterwelt geschickt. Na endlich nimmt Zeus die Sache selbst in die Hand. Ich hoffe, meine nächsten Aufträge werden leichter sein.
Diese inneren Monologe von Thanatos, aus der griechischen Sage über Sisyphos, entstanden in der Schreibwerkstatt von Heidi Collon.
